Symptome der Endometriose
Die Symptome der Endometriose sind vielfältig und können von Person zu Person variieren. Sie müssen nicht zwangsläufig gleichzeitig auftreten. Jemand kann beispielsweise nur zwei Symptome haben und trotzdem an Endometriose leiden, genauso wie jemand anderes fünf Symptome aufweisen und ebenfalls an der Erkrankung erkrankt sein kann. In manchen Fällen treten gar keine Symptome auf. Die Erkrankung gilt dann als „still“, kann aber dennoch Komplikationen wie beispielsweise Fruchtbarkeitsprobleme verursachen.
Die meisten Symptome treten zyklisch auf und verschlimmern sich tendenziell während der Menstruation, da Endometrioseherde hormonellen Schwankungen unterliegen. Der Schweregrad der Erkrankung korreliert jedoch nicht unbedingt mit der Schmerzintensität. Tiefsitzende Endometriose, die Bereiche in der Nähe von Nerven betrifft, kann jedoch zu stärkeren und beeinträchtigenden Schmerzen führen, einschließlich neuropathischer Schmerzen im Zusammenhang mit Endometriose.
Dysmenorrhoe (schmerzhafte Regelblutung):
Dies ist das häufigste Symptom, das auf Endometriose hindeuten kann.
Perioden sollten nicht schmerzhaft sein. Wenn du durch deine Schmerzen deinen Alltag nicht normal bewältigen kannst (z. B. zur Uni, zum Sport, zum Einkaufen usw.) und wenn die Schmerzmittel für dich nicht funktionieren (wie Paracetamol oder Ibuprofen) solltest du dir folgende Frage stellen:
„Beeinträchtigt meine Menstruation meinen Alltag ?“
Ist die Antwort „Ja“ , könnte es Endometriose sein.
Es können krampfartige/spastische Schmerzen (wie stechende Schmerzen) im Unterleib sein, die in der Regel ein bis zwei Tage vor der Menstruation beginnen und während der gesamten Menstruation oder manchmal auch mehrere Tage danach anhalten.

Starke Perioden:
Starke Regelblutungen können ein Symptom von Endometriose sein, sind aber noch typischer bei Adenomyose, einer Form der Endometriose, bei der die Gebärmutterwand infiltriert wird. Sie können intensiver und/oder lange sein und zu Müdigkeit und/oder Anämie führen und die Lebensqualität beeinträchtigen.

Chronische Beckenschmerzen:
Diese Schmerzen sind das zweithäufigste Symptom. Darunter versteht man Schmerzen, die an jedem Tag des Zyklus unterhalb des Bauchnabels auftreten und in die Beine und/oder den Rücken (Becken, Unterbauch, Rücken, Lendenwirbelsäule, Oberschenkel usw.) ausstrahlen können. Sie werden als brennend oder elektrisierend empfunden .

Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr):
Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (oder manchmal auch danach, da ein Orgasmus gelegentlich Schmerzen auslösen kann) können ein Symptom von Endometriose sein. Diese Schmerzen können am Scheideneingang, entlang des Scheidenkanals oder tief in der Scheide auftreten.
In den meisten Fällen wird der Schmerz hauptsächlich tief in der Vagina empfunden. Dieser zugrunde liegende Schmerz kann mitunter zu einer Form der Beckenbodenhypertonie, auch Vaginismus genannt, führen. Vaginismus bezeichnet eine anhaltende oder wiederkehrende Kontraktion der Beckenbodenmuskulatur, die den Scheideneingang umgibt.
Dies kann passieren, weil der Körper Schmerzen erwartet, was zu einer unwillkürlichen Reflexkontraktion der Beckenbodenmuskulatur führt und das Eindringen erschweren oder sogar unmöglich machen kann. Wichtig ist zu verstehen, dass dies nicht bedeutet, dass die Schmerzen psychischer Natur sind. Vielmehr kann es sich um eine Schutzreaktion des Körpers handeln, die schmerzhaften Geschlechtsverkehr reduziert oder verhindert. Der menschliche Körper ist faszinierend in seinen Selbstschutzmechanismen.
In manchen Fällen kann Vaginismus daher eine Folge zugrundeliegender Schmerzen sein. Manchmal wird er jedoch fälschlicherweise als primäres Problem diagnostiziert, was die Diagnose einer Endometriose weiter verzögern kann. Ein weniger aufmerksamer Gynäkologe könnte die Schmerzen fälschlicherweise als „klassischen“ Vaginismus einstufen und sie als psychisch bedingt beschreiben, wodurch eine zugrundeliegende Endometriose möglicherweise übersehen wird.

Verdauungsschmerzen und/oder -störungen:
Dieses relativ häufige Symptom kann sich auf unterschiedliche Weise äußern und verschiedene Arten von Verdauungsschmerzen umfassen.
Es kann zu krampfartigen Schmerzen (ähnlich wie bei Koliken) beim Stuhlgang kommen, insbesondere während der Menstruation. Manche Menschen bemerken auch Blut im Stuhl (rektale Blutungen), Beschwerden durch Verstopfung und/oder Durchfall (manchmal abwechselnd) sowie Blähungen oder einen aufgeblähten Bauch, oft auch als „Endobauch“ bezeichnet, wenn der Bauch unverhältnismäßig stark anschwillt.
Diese Verdauungsprobleme hängen wahrscheinlich mit der durch Endometrioseherde verursachten Entzündung zusammen. Ein weniger aufmerksamer Arzt oder Gynäkologe könnte jedoch fälschlicherweise annehmen, dass diese Symptome durch ein Reizdarmsyndrom (RDS) (da die Verdauungsbeschwerden sehr ähnlich sein können) oder durch Nahrungsmittelunverträglichkeiten verursacht werden, und dabei möglicherweise die zugrunde liegende Endometriose übersehen.

Schmerzen und/oder Erkrankungen beim Wasserlassen:
Dieses Symptom kann sich äußern als Brennen beim Wasserlassen (ähnlich einer Harnwegsinfektion), Schwierigkeiten beim Wasserlassen (insbesondere während der Menstruation), häufiger Harndrang (der manchmal einer Scheinblasenentzündung ähnelt) oder Schwierigkeiten bei der vollständigen Entleerung der Blase.
Alle diese Symptome können schmerzhaft sein und erhebliche Beschwerden verursachen.

Neuropathische Symptome:
Neuropathische Schmerzen im Zusammenhang mit Endometriose betreffen etwa 40 % der Betroffenen. Sie sind ein relativ häufiges Symptom, doch ihre Diagnose und Behandlung stellen sowohl für Patientinnen als auch für medizinisches Fachpersonal eine große Herausforderung dar. Diese Schmerzen erfordern einen umfassenden und spezialisierten Behandlungsansatz, um ihre Auswirkungen auf den Alltag der Patientinnen zu reduzieren und eine Chronifizierung zu verhindern.
Bevor wir neuropathische (oder neurogene) Schmerzen genauer betrachten, ist es wichtig, einige Punkte zu klären. Schmerz ist ein Signal des Körpers, das uns warnt. Das Nervensystem ist ein komplexes Netzwerk aus Nerven und Nervenzellen (Neuronen), das Signale und Botschaften zwischen Gehirn, Rückenmark und verschiedenen Körperteilen überträgt.
Es besteht aus dem zentralen Nervensystem (ZNS), das die Hauptfunktionen des Körpers steuert, und dem peripheren Nervensystem (PNS), das sensorische und motorische Informationen überträgt.
Neuropathische Schmerzen entstehen, wenn das zentrale oder periphere Nervensystem beeinträchtigt ist, beispielsweise durch Kompression, Entzündung, Verletzung oder andere Faktoren. Diese Nervenschädigungen führen zu Funktionsstörungen, wodurch die Nerven unangemessene Schmerzsignale aussenden, die intensiv und anhaltend sein können.

Schmerzen in der rechten Schulter während/um die Menstruation herum:
Thorakale und diaphragmatische Endometriose sind seltenere, aber mögliche Manifestationen der Endometriose. Sie treten auf, wenn sich Endometrioseherde in der Brusthöhle oder am Zwerchfell entwickeln. Diese Gewebe reagieren auf den Menstruationszyklus ähnlich wie die Gebärmutterschleimhaut, d. h., sie können während der Menstruation bluten und Entzündungen verursachen.
Eines der charakteristischsten Symptome der thorakalen und diaphragmatischen Endometriose sind Schmerzen in der rechten Schulter. Diese Schmerzen werden durch eine Reizung des Nervus phrenicus verursacht, der nahe am Zwerchfell verläuft und sich zur Schulter ausbreitet. Wenn sich Läsionen am Zwerchfell entwickeln, können diese den Nerv reizen oder entzünden und so zu ausstrahlenden Schmerzen in der rechten Schulter führen.
Zu den Symptomen können Brustschmerzen, Schmerzen in der rechten Schulter, Atembeschwerden und Schmerzen beim tiefen Einatmen gehören. Diese Symptome können zyklisch auftreten und zeigen sich häufig während der Menstruation, was die Unterscheidung dieser Erkrankung von anderen Erkrankungen des Brustkorbs oder der Lunge erleichtern kann.
Thorakale und diaphragmatische Endometriose kann aufgrund der Seltenheit und der unspezifischen Symptome schwer zu diagnostizieren sein. Zu den Diagnosemethoden gehören bildgebende Verfahren wie MRT oder CT und mitunter eine Thorakoskopie, die es Ärzten ermöglicht, die Läsionen direkt zu visualisieren.
Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Symptome und kann hormonelle Behandlungen zur Reduzierung des Läsionswachstums sowie chirurgische Eingriffe zur Entfernung der Läsionen bei schweren Symptomen umfassen.

Unfruchtbarkeit:
Endometriose wird häufig im Rahmen der Abklärung von Subfertilität (eingeschränkter Fruchtbarkeit) oder Unfruchtbarkeit diagnostiziert. Tatsächlich können 30 bis 40 % der Frauen mit Endometriose Fruchtbarkeitsprobleme haben. Unfruchtbarkeit wird allgemein als das Ausbleiben einer Schwangerschaft nach mindestens einem Jahr regelmäßigen Geschlechtsverkehrs ohne Verhütung definiert.
In vielen Fällen haben Frauen mit Endometriose ihr Leben lang kaum oder gar keine Menstruationsbeschwerden. Manchmal treten die Symptome erst auf, wenn sie hormonelle Verhütungsmittel absetzen. Dann werden auch häufig asymptomatische Fälle von Endometriose diagnostiziert.
Für Frauen mit der Diagnose Endometriose ist es wichtig, ihren Kinderwunsch mit ihrer Gynäkologin/ihrem Gynäkologen zu besprechen. Je nach individueller Situation können assistierte Reproduktionstechniken (ART) wie die intrauterine Insemination (IUI) oder die In-vitro-Fertilisation (IVF) vorgeschlagen oder eine spezifische medizinische Betreuung empfohlen werden.

Chronische Müdigkeit und Reizbarkeit:
Diese Zustände sind oft die Folge der oben genannten Symptome und der gegebenenfalls darauf folgenden Behandlungen. Sie können extreme Müdigkeit, Übelkeit oder Erbrechen, vasovagale Episoden (Ohnmachtsanfälle), depressive Verstimmungen, Reizbarkeit oder Wut umfassen.
Und das ist völlig normal. Das macht dich nicht schwach. Es bedeutet einfach, dass dein Körper und dein Geist erschöpft sind.

Abschließend:
Die durch Endometriose verursachten Schmerzen und Symptome können viele Lebensbereiche erheblich beeinträchtigen, darunter das soziale Leben, das Berufsleben und intime Beziehungen. Daher ist es unerlässlich, die Erkrankung multidisziplinär und ganzheitlich anzugehen und jedes Symptom sowie seine Folgen individuell zu behandeln.
Endometriose selbst ist derzeit nicht heilbar, aber viele ihrer Symptome lassen sich individuell behandeln. Es gibt zahlreiche Lösungen, Strategien und Hilfsmittel, die Betroffenen helfen können, besser mit ihren Symptomen und somit auch mit der Erkrankung zu leben.
Laura steht Ihnen mit Rat und Tat zur Seite, um Sie beim Verständnis Ihrer Symptome zu unterstützen und Ihnen dabei zu helfen, die für Sie, Ihre Symptome und Ihre Endometriose am besten geeigneten medizinischen Fachkräfte, Ansätze und Hilfsmittel zu finden.
