Was ist Endometriose?

„Ich bin nicht hier, um dir einen medizinischen Vortrag zu halten. Mir geht es darum, Endometriose verständlich, klar und menschlich zu erklären. Denn Wissen ist Macht.


Für Menschen, die mit Endometriose leben, ist das Verständnis der Krankheit ein entscheidender Schritt zur Selbstbestimmung: um die Versorgung besser zu navigieren, informierte Entscheidungen zu treffen und besser mit der Krankheit leben zu können.


Für Organisationen, medizinisches Fachpersonal und politische Entscheidungsträgerinnen ist ein klares Verständnis von Endometriose die Grundlage, um bessere Behandlungspfade, stärkere Aufklärungsmaßnahmen und wirksamere Strategien zu entwickeln.

Selbstbestimmung beginnt mit Klarheit und Klarheit beginnt mit Verständnis.“


- Laura Lequeu


Endometriose ist eine gynäkologische und multi-systemische Erkrankung (weil sie verschiedene Organsysteme betreffen kann: Harnwege, Verdauung, Lunge, Nervensystem usw.), chronisch und entzündlich. Sie betrifft 1 bis 2 von 10 Frauen weltweit. Die durchschnittliche Diagnosezeit liegt zwischen 7 und 12 Jahren.


Nach der am weitesten akzeptierten wissenschaftlichen Theorie kann Endometriose bereits ab der ersten Menstruation entstehen, durch das sogenannte retrograde Menstruieren (Sampson-Theorie). Andere Forschungen legen nahe, dass die Krankheit in manchen Fällen schon deutlich früher im Leben entstehen könnte, möglicherweise bereits während der embryonalen Entwicklung, basierend auf der Müller’schen embryonalen Rest-Theorie.


Ich teile diese verschiedenen Ansätze, um die Komplexität der Endometriose zu zeigen und deutlich zu machen, dass die Wissenschaft noch nicht alle Ursprünge vollständig verstanden hat. Die Forschung schreitet voran, ist aber noch unvollständig. Wir brauchen weitere Studien und Geduld, bevor wir klarere und endgültige Antworten haben. Gleichzeitig gilt Endometriose zunehmend als multifaktorielle Erkrankung, beeinflusst von Genetik, Hormonen, Immunsystem, Entzündungen und möglicherweise auch bakteriellen und Umweltfaktoren, eine Komplexität, auf die wir später noch genauer eingehen werden.


Da diese Erkrankung hormonabhängig ist, kann sie ohne frühzeitige und passende Behandlung fortschreiten und starke Schmerzen sowie kurz- und langfristige Komplikationen verursachen.



Obwohl wir hier vor allem über Endometriose sprechen, umfasst dies auch Adenomyose, oft als „kleine Schwester“ der Endometriose bezeichnet. Sie ist eng verwandt, hat aber einige eigene Merkmale, leicht unterschiedliche Symptome und andere diagnostische Ansätze. Wir können das gemeinsam besprechen.

Laura wechselt bewusst zwischen den Begriffen „Frauen“ und „Personen“. Endometriose betrifft zwar überwiegend cis-Frauen, kann aber auch Menschen betreffen, die sich als FINTA identifizieren - also Frauen, Inter, Non-Binary, Trans und Agender. Für Laura ist inklusive Sprache wichtig, um sowohl die biologische Realität als auch die Vielfalt der Betroffenen anzuerkennen.

Um Endometriose richtig zu verstehen, müssen wir zunächst wissen, wie ein Körper mit Gebärmutter funktioniert:


Im Verlauf des Menstruationszyklus (begonnen am ersten Tag der Periode bis zum ersten Tag der nächsten Periode, durchschnittlich 28 Tage, variiert aber von Körper zu Körper) verdickt sich die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium), um ein mögliches Embryo willkommen zu heißen, quasi wie eine Tapete, die die Gebärmutter auskleidet.


Wenn am Ende des Zyklus keine Befruchtung stattgefunden hat, wird das Endometrium, das „Nest“, in das ein Embryo normalerweise implantiert - nicht mehr benötigt und zerfällt auf natürliche Weise durch die Blutung, die wir als Periode kennen.

Dieser Prozess wiederholt sich in der Regel monatlich bis zur Menopause.

Bei Frauen mit Endometriose wandern Zellen, die dem Endometrium ähneln, in die Gebärmutterschleimhaut ein…

Diese Zellen werden über die Eileiter nach oben gezogen und können dann durch den kleinen Spalt zwischen dem Ende der Eileiter und den Eierstöcken entweichen, da dieser Bereich nicht vollständig verschlossen ist. Anschließend setzen sie sich außerhalb ihres normalen Platzes, der eigentlich die Gebärmutter ist, fest. Diese Zellen können sich also auf dem Fortpflanzungssystem, dem Harnsystem, dem Verdauungssystem, dem Atmungssystem und anderen Organen implantieren und genau das nennen wir Endometriose.


Es gibt jedoch noch eine weitere Form, die Adenomyose genannt wird. Hier infiltrieren diese Zellen das Myometrium, also die Gebärmuttermuskulatur innerhalb der Gebärmutter. Adenomyose wird daher oft als die „kleine Schwester“ der Endometriose bezeichnet.


Diese endometriumähnlichen Zellen bilden Läsionen, Implantate oder Knoten, die meist im Unterbauch zu finden sind: auf dem Peritoneum (der Membran, die die Bauchorgane überzieht), auf den Eierstöcken, auf oder im Darm oder der Blase, seltener auf anderen Organen wie Zwerchfell, Pleura oder Lunge, aber auch im Nervensystem. Die Liste ist dabei nicht abschließend, Endometriose kann theoretisch auch an anderen Stellen auftreten.


Es gibt praktisch kein Organ, in dem Endometriose nicht gefunden wurde… unglaublich, oder?

Die am weitesten akzeptierte wissenschaftliche Theorie erklärt das über retrograde Menstruation, also die Rückwärtsbewegung von Menstruationsblut in die Bauchhöhle.


Diese Theorie wurde bereits 1921 von John A. Sampson vorgestellt und erklärt teilweise die asymmetrische und scheinbar zufällige Verteilung der Läsionen, die meist im hinteren Beckenbereich auftreten, vor allem auf der linken Seite.


Allerdings kann diese Theorie nicht alle Formen der Endometriose erklären, besonders nicht die, die außerhalb des Beckens auftreten.


Daher sind weitere Forschungen nötig, und wir müssen geduldig bleiben, während die Wissenschaft das Verständnis der Krankheit weiter vertieft.


Wichtig: Alle Faktoren, die die retrograde Menstruation begünstigen, z. B. frühe Menarche, kurze Zyklen, starke Blutungen, Menorrhagie, erhöhen das Risiko für Endometriose.

Weitere mögliche Ursachen und Forschungsperspektiven

Es gibt mehrere Hypothesen, die helfen können, Endometriose besser zu verstehen:

Genetische / vererbte Faktoren

Frauen, deren Verwandte ersten Grades (z. B. Mutter oder Schwester) an Endometriose erkrankt sind, haben ein fünfmal höheres Risiko, selbst betroffen zu sein. Außerdem können bestimmte genetische Varianten die Entstehung der Erkrankung begünstigen oder abschwächen.

Metaplastische Faktoren

Endometriose kann entstehen, wenn sich unspezialisiertes Gewebe in spezialisiertes Gewebe verwandelt und sich an einem anderen Ort ansiedelt als vorgesehen. Dazu zählen Theorien wie:

  • Coelom-Metaplasie
  • Hormonelle oder immunologische Faktoren
  • Reste der Müller-Gänge
  • Differenzierung von Stammzellen

Metastatische Theorie (Transplantations-/Induktionstheorie)

Während der Menstruation können endometriumähnliche Zellen über Blut oder Lymphgefäße in andere Körperbereiche gelangen und sich dort ansiedeln.

Autoimmun-Hypothese

Bei Betroffenen wurden verschiedene Auffälligkeiten des Immunsystems beobachtet, auch wenn bislang keine spezifischen Antikörper für Endometriose nachgewiesen wurden.

Infektiöse Hypothese

Neuere Forschungen deuten darauf hin, dass Bakterien der Gattung Fusobacterium eine Rolle bei der Entstehung von Eierstock-Endometriose spielen könnten (möglicherweise behandelbar mit Antibiotika). Außerdem gibt es Hinweise auf Zusammenhänge zwischen Ungleichgewichten im vaginalen Mikrobiom und dem Auftreten von Endometriose.

Umweltfaktoren

Einige Studien vermuten, dass die Exposition gegenüber bestimmten Schadstoffen oder endokrinen Disruptoren (eventuell sogar schon während der Entwicklung im Mutterleib) die Entstehung von Endometriose begünstigen kann.

Wir wissen, das klingt komplex. Unser Ziel bleibt: die Sache verständlich erklären.

Leider lässt sich nicht alles vereinfachen, solange die Wissenschaft selbst noch forscht.


Für detailliertere Erklärungen oder individuelle Fragen kann Laura im Rahmen

einer Beratung oder eines Events darauf eingehen.

Hinsichtlich der Endometriosearten gibt es drei Hauptformen:


 Hinweis: Es ist wichtig zu verstehen, dass weder die Art noch das Stadium der Endometriose etwas über die Schmerzintensität aussagen.


Man kann eine „sehr kleine“ oberflächliche Endometriose (Stadium 1) haben und trotzdem sehr starke Einschränkungen im Alltag erleben.
Andererseits kann jemand eine „schwere“ tiefe Endometriose (Stadium 4) haben und kaum Schmerzen verspüren.

Um das Ausmaß der Erkrankung besser einordnen zu können (aber nicht die Schmerzstärke!), werden zwei Klassifikationen unterschieden:

die Art und das Stadium der Endometriose.


TW: Wenn du über das Lupensymbol fährst, erscheinen chirurgische Bilder.

01

Oberflächliche (peritoneale) Endometriose:

Von oberflächlicher Endometriose spricht man, wenn die Läsionen nur an der Oberfläche verbleiben, also auf dem Peritoneum, der Membran, die die Organe in der Bauchhöhle bedeckt. Sie können als kleine bis größere Zysten auf den Geweben auftreten, meist nur wenige Millimeter bis Zentimeter groß.

02

 Ovarialzysten (Endometriome)

Spricht man von Endometriose der Eierstöcke, entstehen ein oder mehrere Endometriose-Zysten auf dem Ovar. Diese werden auch „Schokoladenzysten“ genannt, da sie mit altem, geronnenem Blut gefüllt sind, das sich dunkelbraun färbt, wie Schokolade.


Diese Form der Endometriose kann die ovarielle Reserve direkt beeinflussen und hat daher einen unmittelbaren Einfluss auf die Fruchtbarkeit.

03

Tiefe Endometriose (DIE)

Von tiefer oder infiltrierender Endometriose spricht man, wenn Läsionen mehr als 5 Millimeter unter die Oberfläche reichen und insbesondere die Muskelschicht der abdominopelvinen Organe betreffen.


Das endometriumähnliche Gewebe wird fibrös und bildet Knoten, die in das betroffene Organ eindringen können. Tiefe Endometriose kann unter anderem folgende Bereiche betreffen: Blase, Harnleiter, Verdauungstrakt (Rektum, Sigma, Appendix), uterosakrale Bänder oder das hintere Scheidengewölbe - die Liste ist nicht abschließend.

Endometriose wird in vier Stadien eingeteilt:


Die Einteilung gibt es schon seit 1979 (American Fertility Society, AFS) und wurde seit 1985 mehrfach angepasst. Man nennt sie den AFS-Score und sie beschreibt vor allem Größe und Lage der Endometrioseherde.


Wichtig: Das Stadium sagt nicht etwas über die Schmerzen aus. Du kannst also kleine Herde haben und trotzdem starke Beschwerden spüren oder große Herde und kaum Schmerzen.


Das Stadium kann nur nach einer OP bestimmt werden. Dabei zählt die Ärztin oder der Arzt alle Herde, schaut, wo sie sitzen, wie groß sie sind und wie tief sie reichen, und vergibt Punkte. Alle Punkte zusammen ergeben das Stadium:

01

Minimal

Die Phase wird als minimal definiert, wenn die Punktzahl zwischen 1 und 5 liegt.

02

Leicht

Das Stadium wird als mild bezeichnet, wenn die Punktzahl zwischen 6 und 15 liegt.

03

Mäßig

Das Stadium wird als moderat bezeichnet, wenn die Punktzahl zwischen 16 und 40 liegt.

04

Schwer

Das Stadium wird als schwerwiegend definiert, wenn der Wert über 40 liegt.

Also...

Warum kann Endometriose so schmerzhaft sein?

Die Schmerzen bei Endometriose können sehr stark sein und von Person zu Person stark variieren. Es spielen viele körperliche und anatomische Faktoren eine Rolle.


Ein zentraler Auslöser ist die Entzündung, die von den Endometrioseherden ausgeht. Diese setzen Entzündungsstoffe frei, die das umliegende Gewebe reizen. Auch Muskelverspannungen, besonders im Beckenboden, können sich entwickeln, eine Art Schutzreaktion auf die chronischen Schmerzen. Hinzu kommt die Lage der Herde: Wenn sie in empfindlichen Bereichen sitzen, wie etwa Bänder, Darm, Blase oder in der Nähe von Nerven, kann das besonders stark weh tun.


Auch Hormone spielen eine Rolle. Endometriales Gewebe reagiert weiterhin auf hormonelle Schwankungen und löst dadurch immer wieder Entzündungen und Schmerzen aus.


Zudem zeigt die Forschung immer mehr, dass das Nervensystem sensibler werden kann. Dauerhafte Entzündungen und wiederkehrende Schmerzsignale können zu einer Überempfindlichkeit führen und das heißt, das Nervensystem reagiert stärker, und Schmerzen können verstärkt, länger anhaltend oder sogar durch eigentlich harmlose Reize ausgelöst werden.


Wichtig zu wissen: Jede Endometriose ist anders, und jeder Schmerz ist einzigartig. Interessanterweise haben etwa 10 % der Betroffenen überhaupt keine Symptome, warum, ist bisher nicht vollständig geklärt.

Es bleibt also noch viel über Endometriose zu lernen, und viele wissenschaftliche Fragen sind noch offen.

Endometriose: Mythen aufgedeckt

  • Eine Hysterektomie heilt Endometriose

    Eine Hysterektomie kann bei Adenomyose helfen, weil die betroffene Gebärmutter entfernt wird. Aber Endometriose? Nein, die bleibt bestehen.


    Endometriose bedeutet, dass endometriumähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst, zum Beispiel an Eierstöcken, Eileitern, Nerven, im Verdauungs-, Harn- oder Lungenbereich und anderen Stellen im Becken.

    Außerdem können durch Endometriose Nervenenden verändert oder geschädigt werden, was manchmal als „Schmerzgedächtnis“ bezeichnet wird. 


    Das heißt, die Schmerzen können weiter bestehen, auch wenn die Herde entfernt wurden oder sogar nach den Wechseljahren.

    Selbst nach einer Hysterektomie können also Symptome bleiben. Die Erkrankung kann sich auch weiterentwickeln, besonders weil neue Forschung zeigt, dass Endometriose viele Ursachen hat und nicht nur die sogenannte retrograde Menstruation.


    Und eine Hysterektomie bringt Risiken mit sich: operative Komplikationen, hormonelle Nebenwirkungen, psychische Auswirkungen. Eine solche Entscheidung sollte gut informiert und gemeinsam mit Endometriose Expert.innen getroffen werden, nach Abwägung aller verfügbaren Behandlungsoptionen und deiner persönlichen Ziele.


    Dein Körper, deine Entscheidung. Aber: Nein, eine Gebärmutterentfernung ist kein Wundermittel gegen Endometriose und mal ehrlich, ein Wundermittel gibt es bei Endometriose sowieso nicht.

  • Mit Endometriose kannst du nicht schwanger werden

    Entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass Endometriose eine Schwangerschaft unmöglich macht, können viele Menschen mit Endometriose schwanger werden, etwa 60 %.


    Endometriose kann die Fruchtbarkeit erschweren, aber das bedeutet nicht Unfruchtbarkeit. Rund 40 % der Betroffenen haben Schwierigkeiten, schwanger zu werden, aber das heißt nicht, dass es unmöglich ist.


    Warum kann es schwieriger sein, schwanger zu werden? Endometriose kann den Körper auf mehreren Ebenen beeinflussen: Lesionen, Verwachsungen und chronische Entzündungen können die Funktion der Fortpflanzungsorgane beeinträchtigen. 

    Schmerzen beim Sex führen oft dazu, dass Geschlechtsverkehr seltener stattfindet und das verringert automatisch die Chancen auf eine Schwangerschaft. Entzündungen können zudem die Einnistung eines Embryos erschweren, Eileiter können verengt oder blockiert sein, die Eierstockreserve kann beeinträchtigt werden, und auch Immun und Entzündungsreaktionen spielen eine Rolle.

    Fazit: Fruchtbarkeit bei Endometriose betrifft den ganzen Körper, nicht nur die Eierstöcke.

    Mit passender medizinischer Betreuung, individueller Behandlung und gegebenenfalls assistierter Reproduktion können viele trotzdem schwanger werden.


    Der Weg ist nicht immer der, den man sich erträumt hat, aber viele finden ihren eigenen Weg. Und für diejenigen, die es nicht können, schaffen wir einen Raum voller Mitgefühl, Liebe und Solidarität.

  • Schwangerschaft heilt Endometriose

      Manche erleben während der Schwangerschaft eine vorübergehende Linderung der Symptome, weil Hormone den Zyklus beeinflussen und die Periode ausbleibt. Das heißt aber nicht, dass Endometriose geheilt ist.

    Nach der Geburt können die Symptome zurückkommen, und die Erkrankung kann weiterhin fortschreiten. Endometriose braucht kontinuierliche medizinische Begleitung, individuelle Behandlung, emotionale Unterstützung und ein gutes Verständnis dafür, was im eigenen Körper passiert.

    Zudem bringt eine Schwangerschaft nicht immer Erleichterung. Manche spüren starke Schmerzen, besonders wenn bereits Läsionen bestehen. Mit dem Wachstum der Gebärmutter und des Babys kann der Druck auf betroffene Stellen den Schmerz verstärken.

    Die richtige medizinische Betreuung und unterstützende Maßnahmen können helfen, die Symptome zu managen und die Lebensqualität während der Schwangerschaft zu verbessern.

    Wenn die Schwangerschaft Linderung bringt (was man natürlich hofft), sollte sie nie als Behandlung oder Heilmittel für Endometriose dargestellt werden.

  • Endometriose betrifft nur Frauen im gebärfähigen Alter

    Entgegen der weit verbreiteten Meinung ist Endometriose viel komplexer. Forschungen haben gezeigt, dass endometriumähnliches Gewebe sogar bei Feten vorkommen kann. Außerdem gibt es Fälle von Endometriose bei cis-Männern, die hochdosiertes Östrogen im Rahmen einer Prostatakrebsbehandlung erhalten. Das zeigt: Endometriose kann mehr Menschen betreffen, als man früher dachte.

    Deshalb verwendet Laura bewusst inklusive Sprache. Zwar betrifft Endometriose überwiegend Frauen, sie erkennt aber an, dass auch Personen, die sich als FINTA identifizieren (Frauen, Intersex, Non-Binary, Trans und Agender), betroffen sein können.

    Auch die Annahme, Endometriose verschwindet automatisch nach den Wechseljahren, ist falsch. Manche spüren weniger Symptome wegen hormoneller Veränderungen, andere haben weiterhin Beschwerden, die die Lebensqualität beeinträchtigen.


    Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, kann sich den Mythos Menopause und Endometriose ansehen.

  • Endometriose verursacht nur Schmerzen während der Periode

    Endometriose kann chronische Schmerzen während des gesamten Zyklus verursachen.

    Betroffene spüren oft Schmerzen im Becken, Bauch oder unteren Rücken, beim Sex, beim Wasserlassen oder Stuhlgang und das unabhängig von der Periode.


    Endometriose nur als „Periodenschmerzen“ zu sehen, verzerrt die Realität: Die Beschwerden können ständig und chronisch sein und weit über die Menstruation hinausgehen.


    Deshalb ist eine Regelung wie „Menstrual Leave“ nicht so einfach umzusetzen. Die Symptome schwanken oft unvorhersehbar über den Zyklus, manche haben ihre schlimmsten Schmerzen während der Periode, andere gar nicht.


    Jeder Körper ist anders. Vergleiche deine Erfahrung nicht mit der von anderen.

  • Menopause heilt Endometriose

    Nur weil die Hormone sinken und die Periode wegfällt, heißt das nicht, dass Endometriose plötzlich weg ist. Für manche bringt die Menopause tatsächlich Erleichterung, aber die Erkrankung kann trotzdem bestehen bleiben.


    Es heißt oft, dass Endometriose mit der Menopause langsamer fortschreitet oder sich stabilisiert. Das stimmt manchmal, aber vorsichtig interpretieren: Endometriose ist komplex, multifaktoriell, und wir verstehen noch lange nicht alles.


    Auch nach der Menopause können Schmerzen bestehen bleiben. Besonders, wenn Nerven durch Endometriose verändert oder beschädigt wurden und das kann zu einer Art „Schmerzgedächtnis“ führen, bei dem Signale weitergeleitet werden, selbst wenn die Periode schon vorbei ist.

    Hoffnung gibt es aber auch: Für einige Betroffene nimmt die Symptomlast deutlich ab.


    Jeder Fall ist anders. Es ist wichtig, nach der Menopause individuell mit Fachleuten zu schauen, wie Symptome behandelt oder vorbeugend gemanagt werden können.

  • Endometriose ist Kopfsache

    Endometriose ist nicht „in deinem Kopf“. 

    Sie findet in deinem Körper statt.


    Es handelt sich um eine komplexe gynäkologische und multi-systemische Erkrankung mit klaren physiologischen Mechanismen.


    Chronische Schmerzen durch Endometriose können zwar psychische Folgen haben (sie beeinflussen Lebensqualität, mentale Gesundheit und emotionales Wohlbefinden) aber die Krankheit selbst ist nicht das Ergebnis eines psychologischen Problems.


    Endometriose muss als ernsthafte medizinische Erkrankung anerkannt werden, die fachgerechte Diagnostik, evidenzbasierte Behandlung und Betreuung durch spezialisierte Fachkräfte erfordert.

  • Teenager sind zu jung für Endometriose

     „Du bist noch zu jung für Endometriose.“

    Das ist falsch.


    Entgegen vieler Annahmen bist du nicht zu jung, um Endometriose zu haben. Deine Tochter, deine Schwester, deine Cousine - auch sie sind nicht zu jung.


    Eine belgische Studie (UZ Leuven) zeigt, dass es in Belgien bei Jugendlichen mit Endometriose im Durchschnitt 12 Jahre dauert, bis die Diagnose gestellt wird. Das sagt schon viel, oder?

    Endometriose kann tatsächlich Menschen jeden Alters betreffen, auch Teenager. Bei bildgebenden Verfahren wie MRT oder Ultraschall sind die Anzeichen bei jungen Patient:innen oft weniger sichtbar, weil häufiger oberflächliche Formen vorliegen

    (Aber nur damit es klar ist: oberflächlich bedeutet nicht weniger schmerzhaft). 


    Diese Formen lassen sich einfach schwerer im Bild nachweisen.


    Das heißt nicht, dass Endometriose nicht vorhanden ist und so zu denken, kann sogar schädlich sein. Je früher Endometriose erkannt wird, desto eher können wir das Fortschreiten verlangsamen oder die Erkrankung besser managen.


    Hör auf deinen Körper und zögere nicht, ärztliche Hilfe zu suchen, wenn du Symptome hast.


    Wenn deine Schmerzen deinen Alltag beeinträchtigen, ist das nicht normal.

  • Künstliche Menopause ist eine Wunderlösung für Endometriose

    Das ist falsch.


    Entgegen mancher Annahmen ist die künstliche Menopause keine Wunderlösung gegen Endometriose.


    Sie kann in bestimmten Fällen kurzfristig eingesetzt werden, wenn es klare medizinische Gründe gibt, ist aber meist keine langfristige Lösung. Vor allem wegen möglicher Nebenwirkungen.


    Bei der künstlichen Menopause wird die Hormonproduktion im Hypothalamus und in der Hypophyse blockiert. Das unterbricht die Signalweiterleitung zu den Eierstöcken und stoppt den Menstruationszyklus.


    Das unterscheidet sich von der Antibabypille (auch bei durchgehender Einnahme), die stabile Hormonspiegel aufrechterhält, um den Eisprung zu verhindern, ohne eine Menopause auszulösen.


    Mögliche Nebenwirkungen (je nach Person unterschiedlich) ähneln denen der natürlichen Menopause: Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Schlafprobleme, Libidoverlust oder Scheidentrockenheit. 


    Außerdem kann das Risiko für Osteoporose steigen, da die Knochendichte abnimmt.

    Es ist daher wichtig, alle Optionen mit einer/m Ärzt:in zu besprechen, um die individuell passende Behandlung zu finden.